LVA Einführung in die Wirtschaftsinformatik ab Herbst 2015

28 May

Ab Herbst 2015 darf ich an der JKU Linz eine Übung für “Einführung in die Wirtschaftsinformatik” abhalten. Nach 2 Jahren UNI-Abstinenz freu mich schon irrsinnig darauf.

In meinem Kopf rattern bereits die Gedanken, wie ich die jungen Studis einerseits begeistern kann fürs wissenschaftliche Arbeiten, andererseits für die Sache WIN an sich.

Studien abgeschlossen

20 Mar

Ich hatte am 20. März Sponsion und meine beiden Studien in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Data Mining abgeschlossen.

Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe die Sponsionsrede halten zu dürfen, die man nun auch auf Youtube ansehen kann (Ab Minute 4:30)

 

 

Ich habe 2004 in Kirchdorf/Krems an der HAK maturiert. 2007/2008 habe ich mein Studium für meinen Auslandszivildienst in Mexiko unterbrochen. 2010 hat mich Karl Aiginger als Junior Fellow ans WIFO geholt. Dort habe ich als angehender Volkswirt an Forschungsarbeiten für die Kommission mitgearbeitet und als Wirtschaftsinformatiker einen Prototypen für die WIFO-interne Datenbank entwickelt. Link zu den Publikationen

2012 habe ich mich gegen eine wissenschaftliche Karriere und für eine unternehmerische entschieden und bin vom Wifo weggegangen. Ich habe meine Diplomarbeiten fertiggestellt und arbeite nun Vollzeit im Modehaus Kutsam. Hier verantworte ich die Bereiche Logistik, IT und Marketing. Das Modehaus Kutsam verkauft außer Bekleidung auch Software. Für unser Software-Produkt Pepi-Personaleinsatz (www.personaleinsatz.at) mache ich den Vertrieb in Österreich, während mein Bruder Michael entwickelt und unseren Vertriebspartner in Deutschland betreut.

Wenn wir zu wenig für Bildung ausgeben…

21 Oct

 

Russ Roberts spricht in seinem Podcast (econTalk) am 14.10.2013 mit Winston über Transport und Verkehr.

Dabei beklagt Winston, dass zu oft Probleme aus der Ingenieurs Perspektive gesehen würden und nicht aus der Perspektive des Volkswirtes.

Er meinte damit, dass meistens, wenn etwas knapp ist (zB Plätze im Zug) zuerst der Ruf lauf wird: “Mehr Geld! Mehr Kapazität!”  (Ingenieurs Perspektive) und nicht “Preise rauf” (Perspektive eines Volkswirts).

Das würden nicht alle Volkswirte so unterschreiben, aber Winston trifft einen guten Punkt:

Nicht alles lässt immer durch Kapazitätsausweitungen lösen, denn MEHR für das eine heisst normalerweise WENIGER für etwas anderes. Und während sich alle schnell einig sind wo MEHR benötigt wird, findet sich kaum jemand der freiwillig in einem anderen Bereich auf Ressourcen verzichtet.

Wenn man aber den Preismechanismus umgeht und die MEHR/WENIGER Entscheidung in öffentlicher Hand liegt – dann zieht oft die Gruppe mit dem schwächsten Lobbying den kürzeren.

Leistbares Wohnen

14 Oct

http://tvthek.orf.at/programs/1328-Weltjournal

Das Weltjournal im ORF vom 25.9.2013 berichtet über steigende Mietpreise. Geschichten erzählen von Sylt, Frankreich und Deutschland. Von Leute, die auf der Straße Leben, weil sie sich ihre Mieten nicht mehr leisten können.

Auf der Suche nach Lösungen wird in der Sendung der Ruf nach dem Staat laut. Ich bin kein Experte zu diesem Thema, aber ich werde hellhörig, wenn für Probleme nach dem Staat gerufen wird. Wir Menschen lieben Klarheit, aber nicht alles ist regulativ sinnvoll lösbar. Und manchmal ist“private” Lösungen unangenehm, aber die staatlichen katastrophal. Ich freu mich in den Kommentaren zu lesen was du dazu denkst.

Wie kann der Staat eingreifen? Mir fallen ein:

  • Höchstsätze für Mieten und andere Maßnahmen um derzeitige Mieten niedrig zu halten.
  • Förderungen für die Neuschaffung von Wohnraum
  • Die Vermietung lehrstehender Flächen fördern, bzw. die Nichtvermietung bestrafen

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich zwei Grafiken zeigen, die jeder auf der EUROSTAT  homepage nachbauen kann. 

Zuerst zur absolute Bevölkerungsveränderung je Region. Die dunkelgrünen Regionen hatten Zuwächse zwischen 0.5% und 3.5%   im Jahr 2011. Die gelben Regionen schrumpften zwischen –1.6% und 0%.

Auf der Karte werden Abzugsregionen ersichtlich. Ostdeutschland, Portugal, der Norden Spaniens, Süditalien und Rumänien. Die baltischen Länder und Teile Polens. Sie alle sind Abzugsgebiete.

Ganz anders der Großteil Frankreichs, Großbritannien, Norwegen, die Schweiz und Norditalien. Sowie Bayern und Österreich (außer Kärnten). Diese Regionen wachsen.

 

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Während die vorhergehende Grafik die Veränderung (im Jahr 2011) zeigte, zeigt die folgende Grafik die tatsächliche Bevölkerungsdichte.

So manche Zuzugsregion ist dünn bevölkert, wie zB in Frankreich.  Grundsätzlich aber sind die bereits dichtbesiedelsten Gegenden auch jene mit höhen Wachstumsraten.

 

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Die Bevölkerung ist extrem ungleich über den Kontinent verteilt. Die hohen Mieten in Ballungsräumen deuten darauf hin, dass das Angebot kleiner als die Nachfrage ist.

Ist es sinnvoll,  den Zuzug in die Ballungsräumen öffentlich zu unterstützen, während Infrastruktur am Land schwieriger zu finanzieren ist, weil die Bevölkerung abwandert?

Klar, das Leben im Ballungsraum bringt manche ökonomische Vorteile: mehr Jobchancen und Einkaufsmöglichkeiten. Kulturveranstaltungen. Die Möglichkeit zu studieren.

Aber all das hat seinen ( auch psychologischen) Preis. Städter sind gestresster und  depressiver. Das sagt eine Studie von Meyer-Lindenberg (Nature, 23th June 2011). Ich für meinen Teil bin froh aus Wien rausgezogen zu sein, wenn auch die Nähe zur Stadt und zur Bibliothek Lebensqualität bringt.

Ginge es “nur” darum, dass Menschen nicht auf der Strasse lebten, gäbe es günstigere und weniger invasive Möglichkeiten diesen ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen, als in den Städten zu regulieren und Wohnraum zu bauen. Aber was anderen “Landmenschen” zumutbar ist, wird dann auch mal als "Deportation” in die Pampa bezeichnet.

Unabhängig von der Bewertungungsfrage, ob es nun besser ist am Land oder in der Stadt zu leben, werden staatliche Interventionen Konsequenzen haben:

  • Höchstsätze für Mieten und andere Maßnahmen um derzeitige Mietverhältnisse zu schützen

Klingt nach Nachkriegsmietzins wie in Wien. Wozu hat das geführt? Sehr geringe Miete in den geschützten Objekten, deren Eigentümer kaum darin investieren. Das “Wohnrecht” ist viel Wert, darf zwar, imho, nicht verkauft werden, aber die Anreize sich das Wohnrecht abgelten zu lassen sind hoch.

Der Anreiz für Unternehmer neue Wohnungen zu schaffen und zu vermieten sinkt wenn die Profitchancen sinken. Dadurch sinken möglicherweise die Grundstücks- und Gebäudepreise.

Ein Gedankenexperiment: Wohnungen dürfen nur mehr um 0 Euro vermietet werden. Vermieter hätten dann große Anreize ihre Wohnungen zu verkaufen. Private hätten keinen Anreiz für andere Wohnraum zu schaffen. Der Preis für Wohneigentum sinkt. Mehr Leute können sich eine Wohnung kaufen. Jene aber die nicht genug Kapital haben können auch nicht mehr mieten… denn um 0 EURO will niemand vermieten.

Ich stelle es mir schwierig vor den “optimalen” Höchstsatz herauszufinden, insbesondere da keine Wohnung der anderen gleicht. Eine quasi-idente Wohnung zur Straßenseite mag weniger Wert sein als eine mit Fenstern zum Hof.

Sind die potenziellen Mieteinnahmen zu gering überlegt der Privatvermieter möglicherweise die Wohnung selbst als 2. Wohnsitz zu nutzen. Jedenfalls: ein effektiver Höchstsatz reduziert das Wohnungsangebot. Für die bestehenden Wohnungen steigt dafür die Nachfrage (weil die Mieten eben niedriger sind)

  • Förderungen für die Neuschaffung von Wohnraum

Wohnbauförderung. Die Zweckwidmung dazu haben die Länder, imho, vor einiger Zeit aufgehoben um Budgetlöcher zu stopfen.

Die Idee wäre inetwa: Genossenschaften, aber auch andere kommerzielle Vermieter sammeln Kapital, bekommen kräftige Zuschüsse von der öffentlichen Hand und vermieten od. verkaufen dann Wohnraum.

Das sollte das Angebot an Wohnungen (im Optimalfall) erhöhen. Gleichzeitig erhöht es den Profit der Vermieter. Denn nur dadurch lassen sie sich dazu bewegen mehr Wohnraum zu schaffen als sie zuvor vorgehabt hatten. Vermieter sind primär keine Wohltätigkeitsveranstalter, sondern verfolgen das Ziel für ihre Eigentümer Einkommen zu erwirtschaften. Und im Falle von Genossenschaften, gehts wohl (auch ) darum die Arbeitsplätze (des Managements) zu erhalten. Natürlich wird’s auch Leute geben die das aus Überzeugung machen.

  • Die Vermietung lehrstehender Flächen fördern, bzw. die Nichtvermietung bestrafen

Die Sendung sprach davon, dass irgendwo (Hamburg?) Vermieter verpflichtet werden innerhalb von 4 Monaten eine Wohnung vermieten zu müssen. Durch das Verbot eine Wohnung leer stehen zu lassen, sollte das Angebot an Wohnungen steigen. Umgehungsmöglichkeiten dafür gibts immer. Manche werden behaupten eine Wohnung plötzlich selbst zu bewohnen.

Wohnen in der Stadt wird offenbar mehr geschätzt als wohnen am Land. Das lese ich zumindest aus den gravierenden Mietpreisunterschieden.

Wieviele leerstehende Wohnungen es am Land wohl gibt? DIE WELT meint 20% in Deutschland:

“Denn während es immer mehr Menschen in boomende Städte zieht, stehen auf dem Land viele Wohnungen leer. Zunehmend sind nicht nur Gegenden in Ostdeutschland betroffen, sondern auch Großstädte im Westen, wie Essen oder Dortmund. Im thüringischen Suhl wird schon im Jahr 2030 jede fünfte Wohnung leer stehen.”

 

Die Frage ob der Staat eingreifen soll, ist für mich eng verknüpft damit ob der Wohnungsmarkt effizient funktioniert. Wenn die hohen Mietpreise trotz eines funktionierenden Marktes existieren, dann kann ein Eingreifen des Staates die Situation (als ganzes) nicht verbessern.

Funktioniert der Wohnungsmarkt? Die Voraussetzungen dafür wären, imho, gut: Es gibt viele unabhängige Vermieter und viele unabhängige Mieter.

Wenn nun manche Vermieter ihre Wohnungen absichtlich leerstehen lassen, weil sie auf steigende Mieten spekulieren, dann ist das auch ein Nebeneffekt der Mieterschutzregulierung: Könnte ein Vermieter einen Mieter rasch kündigen, bzw. die Miete anheben, hätte er keinen Anreiz die Wohnung in der Zwischenzeit leerstehen zu lassen.

Allerdings: Jemand der eine Wohnung neu bezieht hat meist die Absicht länger zu bleiben und macht neben dem finanziellen ein psychologisches “Investment”.  Sobald er “drinnen” ist, ist er dem Vermieter ausgeliefert, der im folgenden Jahr eine höhere Miete verlangen kann. Befristete Mietverträge mit Regeln wie Preise angepasst werden dürfen, schaffen für Mieter und Vermieter Berechenbarkeit…. Da fällt mir ein, dass in Österreich 3% der Jahresmiete an Gebühren anfallen… Etwas “öffentlicher Sand” im Marktgetriebe…

Karl Aiginger ( WIFO ) hat einmal gemeint er kenne leerstehende Villen in Wien, weil die 2. Generation sie nicht bewohnen, aber auch nicht verkaufen wolle. Höhere Grundsteuern  würden hier Anreize (Kosten) schaffen ein Grundstück nicht ungenutzt zu lasen. Der Wert eines Grundstücks ergibt sich ja nicht nur aus der Investition des Eigentümers, sondern auch aus seiner Lage (+Nachbarn + Infrastruktur der Öffentlichkeit). Dabei kann der Grundstückswert von einem Nahen öffentlichen Park positiv und von einer Müllhalde negativ beeinflusst werden.  Eine Abgabe könnte sich aufgrund des “üblichen Verkehrswertes”  berechnen. Der ist, ohne tatsächlichen Verkauf, immer spekulativ. Und ähnliche Abgaben haben auf einer französischen Insel (Koriska?) dazu geführt, dass Bauern ihr Land verkauften, weil umliegende Hotels den “Wert” des Grundstücks so in die Höhe getrieben haben, dass die Bauern die Abgabe nicht mehr zahlen wollten. Das Mitleid hält sich in Grenzen, da die Bauern mit einem höheren Grundstückserlöß kompensiert wurden, aber dennoch: eine öffentliche Abgabe hat hier Menschen dazu gezwungen möglicherweise eine Familientradition aufzugeben.

Wenn es das Familienerbe war und man emotional daran hängt, dann wird man mit so einer “effizienten” Maßnahme nicht viel Freude haben. Nichtsdestotrotz muss eine solche Abgabe ja nicht so gestaltet werden, dass jemand der seine Fläche aktiv selbst nutzt “vertrieben” wird. Die Konsequenz der französischen Maßnahme ist keine Notwendigkeit. Man könnte die geschuldete Grundstücker am Grundstück festmachen, mit Marktzinsen verzinsen und erst beim Verkauf des Grundstücks wird der Betrag fällig, wenn man das Grundstück selbst nutzt.

Die eigenen vier Wände sind, imho, ein gewaltiger Schutz vor Armut. Genauso wie ein enges Netz an Freunden. Beides schützt dafür in Notlagen auf der Strasse zu landen. Diejenigen die auf der Strasse landen haben in jeder Hinsicht eine schwierige Zeit. Ich bin dafür, dass die Gesellschaft hier unterstützt, dass diese Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen können und wieder ein Netzwerk, einen sozialen Anschluss finden. “Außenseiter” in die verschiedensten Organisationen (Feuerwehr, Kirche, Kulturverein…) zu holen halte ich für effektiver als im Nachhinein Obdachlosenheime zu finanzieren. Der “Kurt” mag ein “schwieriger” Typ beim Kirchenkaffee sein – und er ist vielleicht auch nicht verläßlich. Aber möglicherweise erhält er durchs Teilhaben-dürfen eine gewaltige Unterstützung, die ihm einen gröberen Absturz erspart, und der Allgemeinheit in Folge hohe Kosten.

Zurück zum Wohnen. Soll also die öffentliche Hand die eigenen 4-Wände fördern und wenn ja wie?

Ich bin skeptisch,  immer wenn die öffentliche Hand uns zu etwas drängen will, was wir nicht selbst genug wollen. Sind “wir” zu doof um zu verstehen, welche Vorteile die eigenen 4-Wände bringen? Oder kann es sein, dass das moderne Nomadentum zwischen den Ballungsräumen es ziemlich unpraktisch machen sich um eine Wohnung “kümmern” zu müssen…. Kann es sein, dass wir uns freiwillig den Vermietern ausliefern? …dass es das Beste ist, wofür wir uns entscheiden können?

Alternativ könnte der Staat alles Vermieten übernehmen? Nein danke, da hab ich zu große Zweifel, ob der Beamte ausreichend motiviert ist, sich um meine “kalte” Wohnung zu kümmern.

Was also tun?

Ich kann der höheren Grundsteuer – wie von Karl Aiginger (WIFO) – vorgeschlagen viel abgewinnen. Grund ist begrenzt vorhanden. Er profitiert, bzw. leidet im Wert aufgrund seiner Umgebung. Diese externen Effekte sollen sich in den Abgaben wiederspiegeln, und damit eine effiziente Nutzung fördern.

Eine “Strafgebühr” fürs “Nicht-Vermieten” wäre auch vorstellbar, allerdings hätte die höhere Grundsteuer bereits einen ähnlichen Effekt.

ich glaube auch, dass mehr Wissen über die Preise am Markt sehr förderlich wären. Statt der Vertragsgebühr bei Mieten könnte man vorschreiben, dass die Miethöhe (ohne Betriebskosten) regelmäßig an ein öffentliches Register zu melden ist. Gleichzeitig wüsste man wie viele Wohneinheiten tatsächlich leer stehen. Ich seh schon eine Google Map vor mir, schön eingefärbt. Und bei jedem Häuserblock sieht man die Anzahl der der freien/vermieteten Wohnungen, sowie die Verteilung der Mieten in einem Histogram. Schön.

Dann kann sich jeder ein Bild machen, ob er für seine Wohnung einen “fairen” Preis bezahlt – oder obs möglicherweise zwei Türen weiter ein “Schnäppchen” gibt. Dieser Wohnungs “Spot”-Preis wird auch einen Einfluss auf längerfristige Mietverträge haben.

Das Recht “Unterzuvermieten” könnte stärker verankert werden. Dann hätten findige Leute die Chance, die “Faulheit” mancher Vermieter zu nutzen und quasi “mit Provision” weiterzuvermieten. Oder auch jemand der eine Wohnung bewohnt, die “plötzlich” am Markt sehr gefragt ist, könnte sich entscheiden in eine andere Wohnung zu ziehen, wenn er die Arbitrage nutzen kann.   Beachten muss man, dass der “Zwischenmieter” seine Verpflichtungen gegenüber dem Vermieter einhalten muss. Menschen gehen mit Wohnungen verschieden sorgfältig um. Der niedrige Mietzins an Frau “Sorgfalt” mag den Schaden vom Nachmieter Herrn “Haudrauf” nicht aufwiegen.

Untervermieten reduziert die Monopolmacht der Vermieter. Technologie (das Internet) reduzieren die Arbitrage für Makler. Auch das könnte den Markt effizienter machen (und damit zu mehr Wohnungen am Markt zu einem geringeren Preis) führen.

Eine andere Strategie wäre es ländliche Gebiete attraktiver zu machen. Der Leerstand in manchen Regionen lädt zum Hinziehen ein, und ich wette, dass das auch wieder passieren wird. Nicht sofort, aber in den nächsten 50 Jahren.  Technologie erlaubt es vermehrt von zuhause zu arbeiten. Die viele Zeit die Städter im Stau verbringen, kann man produktiver in der Arbeit oder freudvoller mit der Familie verbringen. Die Unterschiede in den Mieten sorgen dafür, dass das Land attraktiver wird.

Unschlüssig bin ich, ob die Verkehrsanbindungen zur Stadt dem Leben am Land förderlich sind oder nicht….aber dazu ein anderes Mal.

Ich freu mich über deine Gedanken zum Thema!

Veränderungsraten von ORF Wahlergebnis–nicht falsch

30 Sep

Ich studiere die Wahlergebnisse und bin verblüfft. Die Summe aller Veränderungen zum Vorjahr ist für Langenzersdorf 7.27 Prozentpunkte.

Da kann doch was nicht stimmen. Entweder ich steh gerade komplett auf der Leitung. Oder irgendetwas an dieser Darstellung ist falsch.

 

14:55 Danke an Georg fürs Aufklären. Ich habe die Prozentzahlen der Parteien übersehen, die bei der letzten Wahl 2008 angetreten waren, aber nicht bei der diesjährigen.

 

Hier Georgs Erklärung:

 

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Und hier die Tabellen, die zu meinem Mißverständis geführt haben.

 

 

http://orf.at/wahl13/ergebnisse/#ergebnisse/312/14

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Econtalk–Michael Lind on Libertarianism

31 Jul

Hörenswert: Michael Lind on Libertarianism http://www.econtalk.org/archives/2013/07/michael_lind_on.html

Sehenswert: Paul Collier über die unterste Milliarde

http://www.ted.com/talks/paul_collier_shares_4_ways_to_help_the_bottom_billion.html

Buchempfehlung: Risiko – Wie man die richtigen Entscheidungen trifft [Gerd Gigerenzer]

30 Jul

 

1988 wurde Basel 1 verabschiedet. Das Abkommen regelte international wieviel Kapital eine Bank benötig um als "sicher" zu gelten. Aus 30 Seiten Abkommen, wurden in den USA 18 Seiten Gesetzestext. Doch es genügte nicht. Basel II wurde 1996 verabschiedet, mit 347 Seiten. Dann kam die Finanzkrise 2008, und ein noch komplexeres Regelwerk wurde notwendig: Basel III schafft es auf 616 Seiten Abkommen, die sich in 1000 Seiten Gesetzestext niederschlugen. [Risiko, Seite 291]

Ist das System jetzt sicherer? Gigerenzer zweifelt, und einige mutige Experten und Politiker geben zu: Sie haben keine Ahnung über die Wechselwirkungen des komplexen Regelwerkes.

Finanzkrise, Medizin für Pharma statt Patienten und paternalistische Gesetzgebung sind die Themen anhand denen Gigerenzer sein Thema "Risikokompetenz" abarbeitet. "Risiko" ist ein hervorragendes Buch, klar geschrieben und überzeugend recherchiert, lesbar für jeden Maturanten. Ich empfehle die Lektüre jedem denkenden Menschen.

Seine Kernthese: Nicht mehr und komplexere Regeln führen zu einer besseren Gesellschaft, sondern kompetente Bürger, und bessere Risikokommunikation. Anhand beeindruckender Experimente zeigt er wie 4.-Klässler Probleme lösen können, die Ärzte nicht schafften. Es liegt an der Formulierung der Probleme. Bedingte Wahrhscheinlichkeiten lassen Probleme schwieriger erscheinen, als wenn dieselben in absoluten Häufigkeiten formuliert sind.

Auf Seite 132ff widmet er sich der in Österreich staatlich geförderten Privatvorsorge. 9% Prämie, lockten Konsumenten diese Mogelpackung zu unterschreiben. Eine verdeckten Studie mit 10 Banken lieferte ein schreckliches Bild darüber, welche Expertise Kunden von ihren Bankberatern erwarten können. 3 Bankberater wussten gar nicht, dass sich die 9% nur einmalig auf die Einlage gewährt wurden, sondern hielten sie für eine Zinsrate.

Risikokompetente Bankkunden fragen nach, lassen sich die tatsächliche Zinsrate vorrechnen und fallen nicht herein, auf ein Produkt das hauptsächlich den Banken ein einträgliches Geschäft bescheerte und Politikern das Gefühl etwas getan zu haben.

Auch Politiker leiden wohl unter mangelnder Risikokompetenz. Anstatt es Ihnen vorzuwerfen , könnte man Ihnen vielleicht das Buch schenken. Manch einer liest es vielleicht doch.

Gigerenzer nimmt dem Leser die Illusion, dass alle Risiken bekannt wären und sich berücksichtigen ließe. Er unterscheidet zwischen Risiko und Ungewissheit. Das Risiko lässt sich bestimmen, wenn Fälle in ähnlicher Art wiederholt auftreten und Ergebnisse beobachtet werden können. Tatsächlich ist die Gesellschaft aber mit Ungewissheiten konfrontiert: Niemand wusste wie hoch die Gefahr der Vogelgrippe sei und es ist kurios ein Zerfallsrisiko für den EURO-Raum von 30% anzugeben (so ähnlich hieß es in der "Oxford-Studie"), wo doch noch nie ein EURO-Raum auseinander gebrochen ist.

Ganz zu schweigen von den Mißverständnissen die Prozentzahlen hervorrufen. Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt 30%. 30% wovon? In Umfragen gehen die Meinungen in der Bevölkerung stark auseinander, was die Wetterprognose meint. Es regt 30% der Zeit? Oder an 30% der Tage? Oder in 30% der Städte?

Karl Aiginger lehrte mich einst: Setze die Zahlen in Relation und half mir damit größen Ordnungen besser einzuordnen. Von Gerd Gigerenzer hab ich nun (wiedermal) gelernt, dass die Art der Präsentation von Zahlen wesentlich ist, um verstanden zu werden.

Tatsächlich geht es wohl nicht allen immer darum wahrhaftig verstanden zu werden, sondern die Täuschung ist Teil des Programms.

Eine Reduktion der Sterblichkeit um 50% durch das Medikament XY klingt nach einer Sensation. Wenn an 1.000.000 Menschen nun nur mehr einer statt 2 an der Krankheit stirbt, klingt das viel weniger sensationell.

Die Lektüre von "Risiko", schärfte meine Aufmerksamkeit gegenüber dieser bewusst mißverständlichen Kommunikation, wie wir sie in der Werbung häufig finden.

Das Buch gibts zB hier, aber noch besser Sie kaufen es in der nächsten lokalen Bücherei.

http://www.thalia.at/shop/at_thalia_start/suchartikel/risiko/gerd_gigerenzer/ISBN3-570-10103-7/ID33790450.html?fftrk=1%3A1%3A10%3A10%3A1&jumpId=5140058

Den Link zu Amazon habe ich bewusst nicht gepostet, da dieses Unternehmen in Europa unglaubliche Steuervermeidung betreibt.